Karnevalistische Matinee des MC Waestervoices zum 121. GBK-Geburtstag

Mit Freudentränen und Jubelrufen: Waestervoices gratulieren zum 121. GBK-Geburtstag

Ausverkaufte „Karnevalistische Matinee“ des Männerchores Waestervoices in der Neuen Aula

Verschiedenste bekannte Karnevalshits bildeten die Grundlage für die Karnevalistische Matinee des MC Waestervoices anlässlich des 121. Geburtstages der GBK. © Christian Clewing

Der Männerchor Waestervoices begeisterte drei Stunden lang das Publikum bei seiner „Karnevalistischen Matinee“ zum 121. GBK-Geburtstag. Dabei kehrten zwei jecke Hochkaräter nach langer Pause auf die Bühne zurück.

Belecke – Was für ein Geburtstagsgeschenk! Drei Stunden und närrische elf Minuten lang sorgten am Sonntag die Sänger des Männerchores Waestervoices mit ihrer „Karnevalistischen Matinee“ zu Ehren des 121. Geburtstages des Großen Belecker Karnevalsgesellschaft für beste Unterhaltung in der ausverkauften Neuen Aula in Belecke. Stehende Jubelrufe, ein riesiger Applaus und schließlich die Zugabeforderung zeigten, dass das unter Federführung von Rolf Jesse, Edelbert „Schummel“ Schäfer und Hans-Jürgen „Hasi“ Raulf ausgearbeitete Programm genau den Nerv der Zuschauer getroffen hatte. Auch wenn es mit Büttenreden und Gesangsdarbietungen eine Karnevalssitzung der feinen und pointierten Töne war, sie schreit förmlich nach einer Fortsetzung und damit der Wiederbelebung alter karnevalistischer Traditionen der fusionierten Chöre aus Belecke und Warstein.

Stieg nach langer Pause in die Bütt und begeisterte mit feinsinnigem Humor: Edelbert „Schummel“ Schäfer. © Christian Clewing

Die Frage, warum ein Männerchor eine Karnevalssitzung organisiert, beantwortete MC-Vorsitzender Rolf Jesse in seiner Begrüßung: „Weil wir es können.“ Karneval und Gesang seien „untrennbar miteinander verbunden“. Schon vor der Fusion waren sowohl der MGV 1856 Warstein als auch der Belecker Männerchor närrisch unterwegs – in Warstein mit eigenen Sitzungen, in Belecke als Thekenchor oder Möhnespatzen. „Und wenn die GBK 11 mal 11 Jahre alt wird, dann wollen wir das auch gebührend mit Gesang feiern“, so Jesse. Bei der Planung habe man aber auf eines bewusst verzichtet: Gardetänze. „Wir sind uns durchaus unserer physischen Grenzen bewusst.“

Schwerpunkt auf närrischem Liedgut

Der Schwerpunkt der Musikauswahl lag natürlich auf närrischem Liedgut – am Sonntag unterteilt in die Kapitel „die Trinkkultur und ihre Folgen“ und „kurkölnische Traditionen“, so Jesse in der Einleitung: „Wir versuchen dabei die kölsche Mundart zu nutzen, das ist nicht so weit weg vom Plattdeutschen und das können einige von uns.“ Und so schunkelte und klatschte das Publikum unter anderem zu Hits der Höhner und der Bläck Fööss, aber auch zu lokalisierten Texten über „Belecker Wasser“ oder „Guter Mann“, immer mal wieder mit Soloauftritten von Markus Schröder, Marco Marabito, Franz-Josef Hagemann und Peter Mahnke garniert.

Das Publikum in der Neuen Aula wurde am Sonntag zudem Zeuge einer „Welturaufführung“, wie es der Künstler selber nannte: Hans-Jürgen „Hasi“ Raulf schmiss sich wieder die Glitzerjacke über, um als Stimmunssänger aufzutreten – und das erstmals live begleitet von den Vereinigten Allagener Notenwarten (VAN). Neben einem Geburtstagslied und „Monds Karl“ durfte auch der Hasi-Klassiker „Ticke, ticke, tacke, jeder hat ne Macke“ nicht fehlen: „Das Lied ist 44 Jahre jung, mit ihm stand ich damals nervös zum ersten Mal auf der Bühne“, verriet der Stimmunssänger. Von Nervosität war keine Spur mehr, der Inhalt allerdings „stimmt nach wie vor noch“, wie „Hasi“ schmunzelnd erklärte.

„Welturaufführung“: Erstmals sang Hans-Jürgen „Hasi“ Raulf seinen 44 Jahre alten „Ticke, ticke, tacke“-Hit begleitet von den Vereinigten Allagener Notenwarten. © Christian Clewing

Reaktivierung von Hochkarätern

Und neben Hans-Jürgen Raulf wurde ein weiterer karnevalistischer Hochkaräter aus den Chorreihen reaktiviert, der nicht nur fünf Jahrzehnte Sangesbruder ist, sondern auch fünf Jahrzehnte Büttenass: „Wir brauchten ihn nicht lange überreden“, verriet Rolf Jesse über die Verpflichtung von Edelbert „Schummel“ Schäfer. Und der zeigte, dass auch er nach langer Pause nahtlos an alte Zeiten anknüpfen konnte, präsentierte mitunter so tiefgründige Wortspiele, dass die Lacher einen Moment brauchten: „Jaja, lasst euch ruhig Zeit…“ Dass aber auch der Nachwuchs in der Bütt gut aufgehoben ist und dem alten Hasen in nichts nachsteht, bewiesen Philipp Jesse („ein echter kölscher Jung“) und Henrik Schroeck aus dem GBK-Präsidium. „Ja, auch der dauert“, schmunzelten sie nach einem Blick in den Saal: „Unser Publikum ist hier heute so alt, da war googeln noch ein sächsischer Christbaumschmuck.“

In alten Zeiten schwelgte man nicht nur seitens der Belecker Sänger, sondern auch bei den Warsteinern: „Sie scheinen überrascht über den guten Geschmack, den ich bei der Wahl der Prinzessin bewiesen habe“, erklärte Kaiser Wilhelm I. alias Willi Bender, nachdem er mit seiner zwei Köpfe größeren Begleiterin (Heinz Hoppe) durch die Zuschauerreihen auf die Bühne stolziert war. „Ein Eyecatcher“, so der Kaiser, „man kann den Blick nicht von ihr wenden.“ Tränenlachend amüsierte sich das Volk über das Revival einer MGV-Herrensitzung.

Erinnerten an alte Zeiten und die MGV 1858-Herrensitzungen: Prinzessin Henriette und Kaiser Wilhelm I. alias Heinz Hoppe und Willi Bender. © Christian Clewing

Zuvor hatte Hans-Jürgen Raulf auf die 2025 vollendete Chorfusion zurückgeblickt: „Es klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht“, fasste er den langen Prozess zusammen. 2023 sei die Idee entstanden, „aber Warsteiner zusammen mit Beleckern?“ Was ihm dazu als erstes einfiel, war ein Zitat aus der Bibel: „Wie soll das geschehen?“ Belecker wollten nicht nach Warstein zum Sängerfest, Warsteiner nicht zu Veranstaltungen nach Belecke. Ein gemeinsamer Auftritt beim Sturmtag in Belecke mit Westernhagens „Freiheit“ habe dazu geführt, dass man sich von allen alten Zwängen befreite. Schwierig sei auch die Namenssuche gewesen – „Neue Harmonie“, „Rolf und seine Freunde“, „Sangeskraft“, Raulfs Zungenschlag und seine Erläuterungen trieben auch hier wieder die Lachtränen in die Zuhöreraugen. Auch beim Vorstellen des schließlich ausgewählten Fusionsnamen: „Waestervoices – einigen musste man allerdings das Wort Voices erklären…“

Franz-Josef Hagemann, begleitet von Hans-Jürgen Raulf, übernahm den Solopart bei „Guter Mann“. © Christian Clewing

Verabschiedung des Ex-Bürgermeisters

Einen eigenen Matinee-Block widmeten die Sänger Ex-Bürgermeister Dr. Thomas Schöne. Der war nicht nur vorher schon beim Videoeinspieler zum Lied „Guter Mann“ als Betrunkener von Monds Karl verfolgt durch die Altstadt torkelnd zu sehen, er stieg auch selber in die Bütt: „Ich muss viel dummes Zeug geredet haben, so oft wie ich jetzt als Büttenredner auftrete“, schmunzelte er und fesselte die Zuhörer mit seinem Vortrag darüber, dass Ratssitzungen ja doch irgendwie auch Kappensitzungen sind. Als Abschiedsgeschenk nach zehn Amtsjahren gab es nicht nur einen „kleinen Zapfenstreich, also das Zäpfchen“, wie Moderator Edelbert Schäfer erklärte, unter der Regie von Major Elmar Steinrücke, mit den GBK-Prinzengardisten und der Nacht-und-Nebel-Kapelle, sondern auch ein von den Waestervoices umgetextetes Lied mit dem Vorschlag, nun im Ruhestand doch Mitglied im Männerchor zu werden. „Ich bin sehr gerührt“, so Thomas Schöne über die „zu Herzen gehende Geste – und das von Warsteinern und Beleckern zusammen, das ist besonders viel wert“.

Für Ex-Bürgermeister Dr. Thomas Schöne gab es noch einen kleinen Zapfenstreich zum Abschied – bekannt auch als „Zäpfchen“. © Christian Clewing

Auch wenn man noch stundenlang weiter hätte zuhören können, das Vorsitzenden-Duo Rolf Jesse und Rolf Wieskemper zog nach einer Zugabe die Reißleine und leitete über zum gemütlichen Teil an der Theke: „Nach drei Stunden wollten wir fertig sein, wir wollten der GBK ja nicht die Show stehlen…“

Schunkeln, mitklatschen und auch mitsingen war angesagt bei der ausverkauften karnevalistischen Matinee in der Neuen Aula. © Christian Clewing

Möglich machten das besondere Geburtstags-Event mit vielen vergossenen Freudentränen nicht nur die Waestervoices-Sänger, sondern auch weitere Helferinnen und Helfer: Die Eisenbahnfreunde Warstein und der Kegelclub „Die pfiffigen Kobolde“ stellten Kellnerteams, die Kulturinitiative betrieb die Foyer-Theke und die Garderobe. CHRISTIAN CLEWING

Quelle: Bericht im Soester Anzeiger Warstein vom 10.02.2026, Seite 13 von 

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